Archäologie.com - Nachrichten aus der archäologischen Forschung

Nachrichten aus der archäologischen Forschung

Ägyptische Hieroglyphen Jerash Jordanien Röische Helme Stonehenge

Nordwestdeutschland

Foto: Pixabay.de
Kein Tropenwald in Niedersachsen: 55 Millionen Jahre alte Pollen geben Klimadaten preis

Senckenberg-Wissenschaftler haben ein etwa 55 Millionen Jahre altes Kohleflöz aus der Zeit des frühen Eozäns im ehemaligen Braunkohleabbaugebiet des niedersächsischen Landkreises Helmstedt untersucht. In ihrer kürzlich im Fachjournal „PLoS ONE" erschienenen Studie zeigen sie anhand von Pollenanalysen, dass der Nordwesten Deutschlands zu dieser Zeit von einem warm-gemäßigten Klima geprägt war. Dies steht im Unterschied zu anderen Zeitabschnitten des Eozäns, in denen überwiegend ein sehr warmes Treibhausklima vorherrschte.

 

Der Landkreis Helmstedt in Niedersachsen ist insbesondere durch Schöningen mit seinen spektakulären archäologischen Funden bekannt – allen voran die etwa 300.000 Jahre alten „Schöninger Speere\". „Aber auch die unter diesen altsteinzeitlichen Schichten im Braunkohlentagebau liegenden Ablagerungen, aus der Zeit des Eozäns, beinhalten höchstspannende Informationen, die uns vieles über die erdgeschichtliche Vergangenheit erzählen können\", erläutert Dr. habil. Volker Wilde vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt und fährt fort: „Gemeinsam mit meinen Kollegen Olaf Lenz und Walter Riegel habe ich in dem ehemaligen Tagebau ein Kohleflöz von vor 55 Millionen Jahren mittels Pollenanalyse untersucht.\"

Die Senckenberger untersuchten 56 Proben von drei verschiedenen Stellen des Kohleflözs und fanden dabei fast 200 Arten von fossilen Pollenkörnern, die sie 45 verschiedenen Pflanzengruppen zuordneten und mit statistischen Methoden analysierten. „Wir konnten den überwiegenden Teil dieser Pollen mit bekannten Arten vergleichen und so genaue Vorstellungen über die Vegetation und das Klima des Eozäns vor etwa 55 Millionen Jahren in diesem Gebiet gewinnen\", fügt der Frankfurter Paläobotaniker hinzu. In ihrer Studie zeigen die Wissenschaftler, dass die Pflanzenwelt sich im Laufe der Bildung dieses Kohlenflözes von einer Küstenflora über ein Anfangs- und Übergangsmoor zu einem Endmoor entwickelte – in diesem Zuge nahm die Pflanzenvielfalt zudem signifikant ab.

„Was uns erstaunt hat: Elemente, die auf eine tropische Vegetation hindeuten, wie es sie über lange Zeiträume im Eozän gab, fehlen weitgehend. Wir schließen daraus, dass vor 55 Millionen Jahren in der Gegend rund um Schöningen für eine gewisse Zeit ein eher warm-gemäßigtes Klima vorherrschte", fasst Wilde die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick: „Gemeinsam mit dem ‚UNESCO Global Geopark Harz . Braunschweiger Land . Ostfalen .' und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Hannover (NLD) werden wir die Erforschung der erdgeschichtlichen Vergangenheit bei Schöningen weiter vorantreiben".

Original-Publikation:

Lenz OK, Riegel W, Wilde V (2021): Greenhouse conditions in lower Eocene coastal wetlands? Lessons from Schöningen, Northern Germany. PLoS ONE 16(1): e0232861. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0232861

Erstveröffentlichung: 02.02.2021-09:52


Nachrichten aus der Region Neckar-Alb

Foto: RTF.1
Eröffnung der rekonstruierten Tempelanlage im Römischen Freilichtmuseum Am Sonntag wurde die rekonstruierte Tempelanlage im Römischen Freilichtmuseum Hechingen-Stein feierlich eröffnet.
Foto: _Universität Tübingen
Seltener Fund - Großwildjagd: Neandertaler-Lanzenspitze gefunden Schon in der Mittleren Altsteinzeit, vor mehr als 65.000 Jahren, jagten die Neandertaler auf der Schwäbischen Alb mit komplex hergestellten Waffen Großwild wie Rentiere oder Wildpferde. Das belegt ein neuer Fund aus der Welterbe-Höhle Hohle Fels auf der Schwäbischen Alb nahe Schelklingen: Eine Blattspitze aus Hornstein, die Teil einer Stoßlanze war. Lesen Sie hier die ganze Geschichte:
Foto: Deutsche Unesco-Kommission / Johann Angemann
Donaulimes-Grenzwall der Römer wird Welterbe Weiterer Welterbetitel für Deutschland: Das UNESCO-Welterbekomitee hat den Donaulimes in die Welterbeliste aufgenommen. Das ausgezeichnete westliche Segment des Donaulimes erstreckt sich von Niederbayern bis in den Süden der Slowakei.

Weitere Meldungen