Archäologie.com - Nachrichten aus der archäologischen Forschung

Nachrichten aus der archäologischen Forschung

Ägyptische Hieroglyphen Jerash Jordanien Röische Helme Stonehenge

Ammerbuch-Pfäffingen

Foto: RTF.1
Was die Erde uns verrät - Wir haben die Tübinger Archäologen bei ihren Grabungen besucht

Wo wir auch gehen und stehen wandeln wir - meist unbewusst - auf den Spuren unserer Vorfahren - und das ganz wortwörtlich. Zahlreiche Hinterlassenschaften aus Mittelalter, Antike und sogar der Steinzeit schlummern in den Böden der Region Neckar-Alb. Ans Tageslicht kommen viele davon erst, wenn die Archäologen sie aus ihrem Dornröschenschlaf wecken, wie derzeit in Ammerbuch bei Tübingen. Unsere Kollegin Birgit Kleimaier war vor Ort.

Was für den Laien einfach nur nach einer großen Erdgrube aussieht, ist für die Archäologen ein offenes Buch. Denn dem geschulten Auge eröffnen sich im Grabungsschnitt ganze Welten – in diesem Falle die Welt des mittleren Neolithikums, also der Zeit um die Mitte des fünften Jahrtausends vor Christus. Anhand von Pfostenspuren und Resten von Vorratsgruben und dem darin geborgenen Fundmaterial, könne man sich relativ sicher sein, dass es sich um Häuser aus der Jungsteinzeit handle, so Dr. Raiko Krauß von der Universität Tübingen.

Die Rede ist überwiegend von Scherben sogenannter Linearbandkeramik – typisch für die älteste bäuerliche Kultur. Vereinzelt kamen solche bereits seit den neun-zehn-hundert-siebziger Jahren zum Vorschein.

Dr. Raiko Krauß: „Wir haben natürlich seit – oder in den vergangenen 50 Jahren – einiges Neues an Methodik entwickelt, das heißt man kann auch mit naturwissenschaftlichen Methoden entsprechendes Fundmaterial untersuchen und wir sind bestrebt, hier möglichst Funde aus dem Originalzusammenhang zu bekommen. Die Masse der Funde die bisher bekannt sind, sind Lesefunde, das heißt sie wurden von der Ackeroberfläche aufgesammelt, das gibt uns zwar einen Hinweis drauf, dass hier eine Siedlung war, allerdings nicht wie die Siedlungsstruktur im Boden aussieht."

Also heißt es graben. Und wo es viel zu graben gibt, sind freiwillige Helfer meist sehr willkommen. Für unsere Kollegin bedeutet das, Sie bekommt die wohl einmalige Gelegenheit, sich tatkräftig in die Grabungen einbringen zu dürfen – natürlich unter fachkundiger Aufsicht und Anleitung. Schließlich möchte Sie nichts falsch machen und vielleicht unwiederbringliche Artefakte, die sich eventuell noch im Boden versteckt halten, zerstören.

So spektakulär wie im Frühjahr, als die Archäologe auch Skelettfunde aus den Gräben hatten seien die Funde natürlich nicht. Es sei eine eher alltägliche Situation die man auf Grabungen antrifft, so Dr. Krauß. Es handle sich um Siedlungsschutt, der nach dem Auflassen der Siedlung verfüllt wurde. Dieser sei nun – dankenswerterweise – mit Keramikscherben durchsetzt.

Für unsere Kollegin Birgit Kleimaier wäre das, was für die Grabungsteilnehmer zum Alltag gehört, ein echter Sensationsfund: eine echte steinzeitliche Tonscherbe. Doch leider waren die Tübinger Archäologen bereits so gründlich, dass Sie nichts mehr entdecken kann, was wissenschaftlich von Bedeutung wäre. Aber wie heißt es so schön: Dabei sein ist alles.


Nachrichten aus der Region Neckar-Alb

Foto: Pixabay
Globalisierung schon vor 3.500 Jahren: Zahnanalysen belegen Fernhandel und Fernreisen zwischen Mittelmeer und Ostasien Globalisierung mit Fernhandel und Fernreisen gab es schon vor 3.500 Jahren. Das legt eine neue Studie nahe. Die Wissenschaftler analysierten den Zahnstein an den Zähnen von 16 Toten aus der Bronzezeit. Das Ergebnis: Menschen im Mittelmeerraum aßen Gewürze und Früchte wie Kurkuma, Bananen und Soja, die nur aus Süd- und Ostasien stammen können. Die Forscher konnten so belegen, dass schon in der Bronzezeit Fernhandel von Nahrungsmitteln weit entfernt lebende Gesellschaften verband: Globalisierung schon vor 3.500 Jahren.
Foto: pixabay.com
Leibniz-Preis für Katerina Harvati-Papatheodorou Der Leibniz-Preis 2021 der Deutschen Forschungsgemeinschaft geht an die Tübinger Paläoanthropologin Katerina Harvati-Papatheodorou.
Foto: RTF.1
Neue Forschungsergebnisse zum Höhlenbär liegen vor Der Höhlenbär lebte vor 400.000 bis 25.000 Jahren auf dem ganzen europäischen Kontinent. Neben Klimaveränderungen hat auch der Mensch mit seiner Jagd dazu beigetragen, dass der Höhlenbär ausgestorben ist. Doch wie lebte und ernährte sich dieses Urzeitwesen? Seit Jahren gibt es in der Forschung heftige Diskussionen, ob der Höhlenbär rein reiner Pflanzenfresser war oder ob es nicht doch einige fleischfressende Populationen gab. Tübinger Wissenschaftler könnten nun Beweise gefunden haben, die Klarheit schaffen.

Weitere Meldungen